Art44 story

Art44 story

Die Kunst, Kunst zu vermarkten – ART 44 geht online

Rede zum Start der Website Art 44 am 09. Juni 2017

Depot Dortmund

Dr. Hermann Ühlein

 

„Ich will mich professionalisieren.“ Dieser Satz war in letzter Zeit häufiger zu hören, wenn ich mich mit Künstlern und Künstlerinnen unterhalten habe. Und auf Nachfrage war interessanterweise damit nicht gemeint, dass die Kunst-Techniken oder Kunstfertigkeiten weiterentwickelt werden sollten, sondern mit „Ich will mich professionalisieren“ war in aller Regel ein unverkrampftes und offenes Bekenntnis zu mehr und besserer Vermarktung gemeint, auch Selbst-Vermarktung. Erstes sichtbares Zeichen ist dann meist ein eigener Newsletter, ein Twitter-Account oder eine eigene Facebook-Seite. Natürlich haben heute nahezu jede Künstlerin und jeder Künstler eine eigene Webseite, aber die Facebook-Seite ist dann noch mal einen Tick anders, die hat ja längst Schmuddelkinder-Image, und fast schon gehört es zum guten Ton, sich davon zu distanzieren.

Dennoch, und das stimmt eben auch: Über die Sozialen Medien erreicht man viele andere, die man über die analogen Formen der Kunstöffentlichkeit, also etwa Ausstellungen, Offene Ateliers, private Netzwerke, nicht erreichen kann. Zumindest ist das die Hoffnung.

Nach wie vor wiederum ist der Künstler als allzu aktiver, als allzu professioneller (Selbst-)Vermarkter in der Szene auch nicht wirklich gern gesehen, weder bei Künstlerkollegen und –kolleginnen noch bei potentiellen Käufern. Es gehört ja geradezu zum Image des Künstlerseins, dass sie oder er sich um solche Dinge wie „Verkaufen“ auf keinen Fall selber kümmert. Dafür gab und gibt es klassischerweise die Kunsthändler und Galeristen, über die man sich dann wieder beklagen kann, weil sie nicht aktiv genug sind und nicht genug – von der eigenen Kunst – verkaufen.

Schon diese ersten Überlegungen umreißen den Zwiespalt, in dem man sich als Künstler oder Künstlerin wiederfindet.

Meiner Meinung nach sollte man als Künstler oder Künstlerin die digitalen Wege und Kanäle ebenso nutzen wie die analogen, um sich und seine Kunst, salopp gesagt, ins Gespräch zu bringen. Selbstverständlich ist das ein Ausdruck eigener Wertschätzung und zeigt den klaren Anspruch, als schöpferischer „Produzent“ wahr- und ernstgenommen zu werden. Dies wird ein Betrachter und potentieller Käufer immer honorieren.  

Das Problem sind nicht die fehlenden Möglichkeiten. Das Problem ist die Fülle der Möglichkeiten, denn entscheidend ist ja nicht, im Netz zu sein. Entscheidend ist, im Netz von den Richtigen gefunden zu werden. Entscheidend ist, nicht nur einmal zufällig, sondern mehrfach gezielt besucht zu werden.

Erst wenn es zwar ein ganz normaler, aber zugleich ein perfekt gemachter und sehr gut funktionierender Web-Shop ist, kann man darüber auch Anspruch und Qualität verkaufen. Denn Kunstwerke, Originale, sind höchst anspruchsvolle und individuelle Produkte. Sie online zu vermarkten, braucht es einen adäquaten Rahmen, d.h. die Ästhetik der Website wird zum einen Anteil am Erfolg des Shops haben und zum anderen soll sie Inbegriff von Qualität sein, von optischer Qualität nämlich als unausgesprochener, aber vernehmbarer Hinweis auf die Qualität der zum Kauf angebotenen Kunstwerke. Auch hier geht die Seite einen guten Weg und haben die Mitwirkenden eine gute Entscheidung getroffen, wenn es eine Auswahl geben soll, wenn eine Art von „Qualitätssicherung“ greifen soll, bevor jemand mit seinen Arbeiten hier gezeigt werden kann. Qualität von Kunstwerken beurteilen zu wollen, ist ein weites Feld, das muss ich hier nicht im Einzelnen ausbreiten.

Klar ist meiner Ansicht nach nur, dass eine solche Seite auf Dauer nur Profil gewinnen kann, wenn es sich die Mitglieder des künstlerischen Beirates möglichst schwer machen mit der Aufnahme, denn – um einen Vergleich aus der analogen Welt zu bemühen – das Vorbild darf nicht das 1-Euro-Kaufhaus sein, sondern das Fachgeschäft. 

Die Absichten von ART44 gehen jedoch über die engeren Ziele eines Web-Shop hinaus. So dokumentiert die Seite die Vielfalt künstlerischer Produktion in der Stadt und würdigt das Schaffen der Künstlerinnen und Künstler. Sie erweitert den Wirkungskreis Dortmunder Kunstwerke, potentiell natürlich weltweit. Eine englische Version der Webseite ist nicht nur ein Desiderat, sondern meiner Ansicht nach ein Muss.

ART44 versteht sich jedoch auch als regionaler Akteur, als Informationsmedium für Veranstaltungen in Dortmund und Umgebung, als Kommunikationsplattform zwischen Künstlern und Käufern, die sich vielleicht oder hoffentlich mal die Originale im Atelier anschauen wollen, und die Seite versteht sich als Teil der Dortmunder Gesellschaft, wenn etwa soziale Projekte vor Ort unterstützt werden.

ART44 kann und soll ein Markenzeichen für Dortmunder Kunst werden. Dazu braucht es auch in der schnelllebigen digitalen Welt einen langen Atem, Durchhaltevermögen und aktive Vernetzungsarbeit und natürlich die ständige Weiterentwicklung, die Erweiterung der Kunstsparten, aber auch das Feilen an Details.